Das Wollwunder Merino – Wissenswertes zu feinster Wolle

Merinowolle erfreut sich sehr großer Beliebtheit. Doch welche Geheimnisse stecken hinter dieser einzigartigen Wolle? In diesem Blogartikel wollen wir das Merinoschaf und dessen besonderes Fell näher vorstellen.


Das Merinoschaf – Bedeutung, Verbreitung und Aufzucht

Merinoschafe gehören nicht nur zu den ältesten Schafrassen, sie besitzen auch ein einzigartiges und ausgesprochen widerstandsfähiges Fell. Ursprünglich stammen die Tiere aus dem nordafrikanischen Atlasgebirge, wo sie Witterungen von minus 20 bis plus 35 Grad Celsius standhalten müssen. Im Mittelalter wurden Merinoschafe über Tunesien nach Spanien importiert, wo sie erstmalig in Europa gezüchtet wurden. Später wurden Merinoschafe auch nach Deutschland und weitere Teile der Erde wie Australien oder Neuseeland exportiert. 

In Deutschland kommen Merinoschafe vornehmlich im Süden des Landes (Bayern und Baden-Württemberg) vor. Dort werden zudem Kreuzungen wie das Merinolandschaf, das Merinofleischschaf oder das Merinowollschaf gezüchtet. In Österreich gibt es eigene Zuchtverbände in Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Kärnten. 

Merinoschafe zählen zur Klasse der sogenannten Feinwollschafe, werden etwa 1,40 Meter groß und bis zu 100 Kilogramm schwer. Ein Tier kann pro Jahr zwei bis drei Kilogramm feinste Wolle liefern, vereinzelt sind sogar bis zu zehn Kilogramm möglich.

Merinowolle – Einzigartig fein und weich

Der Name Feinwollschaf kommt nicht von ungefähr: Je feiner eine Wollfaser, desto mehr krümmt sie sich und vermittelt ein angenehm weiches Gefühl auf der Haut. Merinowolle zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass ihre Fasern nur etwa halb so dick sind wie jene von anderen Wollarten. Gemessen wird die Faserstärke in Mikron, wobei 1 Mikron einem Tausendstel Millimeter entspricht. Merinowolle misst zwischen 16,5 und 24 Mikron und wird in fünf Kategorien – von ultrafine bis hin zu strong – eingeteilt.

Da Merinoschafe ursprünglich sowohl unter eiskalten als auch sehr heißen Bedingungen zurechtkommen mussten, weist ihre Wolle außergewöhnliche Qualitäten auf. Wie kaum ein anderes Material vermag die Wolle, dank ihres hohen Luftanteils, gegen Kälte und Wärme zu isolieren. Merinowolle bildet eine natürliche Barriere zwischen kalter Außen- und warmer Eigentemperatur. Umgekehrt können die Fasern im Sommer oder bei körperlicher Betätigung entstehende Wärme blocken. Darüber hinaus können Merinofasern bis zu 30 Prozent ihres Trockengewichts an Feuchtigkeit absorbieren und selbst in feuchtem Zustand temperaturausgleichend wirken. Aufgrund des natürlichen Wollfetts Lanolin wirkt die Wolle außerdem wasserabweisend. Die besondere Faserstruktur und natürlich vorkommende Inhaltsstoffe wie Keratin gewährleisten eine zuverlässige Selbstreinigung und verhindern, dass sich Geruch verursachende Bakterien einnisten können.

Die einzigarten Eigenschaften von Merinowolle machen diesen Rohstoff vielseitig einsetzbar. Kleidung aus Merinowolle kratzt nicht auf der Haut und kann somit auch von Kindern und Allergikern getragen werden. Durch seine Wärmeisolierfähigkeiten glänzt die Wolle als Basisstoff für Outdoor-Bekleidung oder Funktions-Unterwäsche. Auch zu Hause sorgt das weiche Naturmaterial für vielseitigen Komfort: flauschige Decken und Polster sorgen für erholsamen und ausgeglichenen Schlaf, während dekorative Wolldecken den Wohnraum schmücken. Doch Merinowolle ist nicht nur funktional, mit Filzwolle lassen sich auch kreative Taschen, Hüte, Patschen oder ausgefalle Figuren zaubern. 

Bei all diesen Vorzügen, die Merinowolle bietet, darf Eines nicht vergessen werden: Es handelt sich um ein nachhaltiges Naturprodukt, welches biologisch abbaubar ist und somit unsere Umwelt nicht belastet.

Schattenseiten der Merinoschafzucht

Bei der Zucht des Merinoschafs kann es leider immer wieder zum Befall der Tiere durch natürliche Schädlinge kommen. In Australien und Neuseeland z.B. besteht das Risiko, dass die Schafe durch die Einnistung von Fliegenmaden in den Hautfalten rund um den Schwanz an Myiasis erkranken können. Dabei handelt es sich um eine häufig tödlich verlaufende Infektion, welcher viele Züchter durch das umstrittene und von Tierschutzorganisationen scharf kritisierte Mulesing entgegenwirken wollen. Hierbei wird den Schafen bereits in sehr jungem Alter ein Teil der Haut des betroffenen Bereichs entfernt – ohne Betäubung oder Wundversorgung. Museling wird hauptsächlich in Australien und Neuseeland angewendet. 

Alternativ entscheiden sich daher viele Züchter für tiergerechtere Maßnahmen, wie etwa das regelmäßige Schären der Hautpartien, regelmäßige Kontrollen sowie rechtzeitiges medizinisches Eingreifen bei Entdeckung eines Befalls.

Merinowolle aus der Wollwerkstatt – Geprüfte Qualität und Tierschutz

Um das Wohl der Schafe zu garantieren, handelt die Wollwerkstatt ausschließlich mit Mulesing-freien Wollprodukten. Die von uns verarbeitete Merinowolle stammt von Schafen aus Süddeutschland und Südfrankreich, bei denen diese Methode nicht zur Anwendung kommt. 

Für zahlreiche andere Produkte verwenden wir Wolle aus Österreich, die in einem Tauschhandel mit regionalen Schafzüchtern gewonnen wird. Viele Züchter sehen aus wirtschaftlichen Gründen von der Vermarktung der Wolle, die lediglich ein landwirtschaftliches Nebenprodukt ist, ab. Damit dieses Naturprodukt nicht auf dem Müll landet, können Schafbauern ihre Wolle in zahlreichen Sammelstellen abgeben und je nach Gewicht eine Gutschrift bei der Wollwerkstatt erlangen, welche ihnen beim Kauf von fertig verarbeiteten Wollprodukten gegenverrechnet wird. Auf diese Weise wird ein regionales Naturprodukt sinnvoll und nachhaltig unter fairen Bedingungen weiterverarbeitet.

Tags: Merinowolle

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  • Interessanter Artikel

    Wirklich ein lesenswerter Artikel. Man erfährt vieles Interessante! Und überhaupt, ein klasse Shop, den ihr da habt!
    Schöne Grüße aus Würzburg! :)

  • Merinowolle

    Hallo,
    ich bin ein großer Fan von Merinowolle. Selbst habe ich zwar hauptsächlich Coburger Fuchsschafe, die auch eine wundervolle rötliche Wolle haben aber Merinowolle ist viel feiner.
    Ich habe viele Jahre in ganz Deutschland in verschiedenen Wanderschäfereien gearbeitet, wo überwiegend Merinos gehalten werden, da sie sich besonders gut für die Wanderschaft und die Landschaftspflege eignen.
    Leider ist in Deutschland der Wollpreis dermaßen schlecht, das sich der Verkauf der Wolle gerade so mit dem Lohn für die Schafscherer ausgeht, weshalb leider immer mehr Schäfereien auf fleischigere Rassen umsteigen.

    Ich wohne nun seit einiger Zeit hier in Österreich und finde das Prinzip der Wollwerkstatt total klasse. So etwas müsste es viel mehr geben !!!

    Mit freundlichen Grüßen

    Gloria Pumhösel-Richter

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